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Theater an der Parkaue
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SAGEN WIR NORMAL IST ANDERS

Das Titelthema der WINTERAKADEMIE 2

Wenn von Normalität die Rede ist, wird häufig über das gesprochen, was einen umgibt: das Gewohnte, Vertraute, Bekannte. Geregelte Abläufe und Vorgänge, das eigene Zimmer, die eigene Familie, die eigene Wohnung im eigenen Viertel in der eigenen Stadt. Aber auch Amtsstuben, Formulare, Hausaufgabenüberprüfungen und Vokabeltests, die Deutsche Industrienorm und der vorgeschriebene Mindestplatz für Legehennen gehören zu dem, was unsere (deutsche) Normalität ausmacht. Hinter dem harmlosen Begriff der Normalität verbirgt sich nichts Geringeres als der Quellcode unserer Gesellschaft. Die Gesamtheit all dessen, was unser Denken und Handeln durchzieht, ein Fluidum in dem wir uns bewegen und das uns eine zweite Haut ist. Gerade deshalb verschwimmt der Blick darauf, fällt es schwer, diese Normalität zu erfassen und als gesellschaftliche sowie individuelle Konstruktion zu erkennen. Letztlich sollten unsere Untersuchungen dazu dienen, sich selbst und die eigene Umgebung / Realität besser oder überhaupt kennen zu lernen.

An der WINTERAKADEMIE 2 beteiligten sich 20 ungarische Jugendliche sowie 4 ungarische Künstlerinnen und Künstler. Dadurch erweiterten wir den Horizont der Akademie über Berlin hinaus und initiierten einen Normalitätsaustausch, der die eigenen Realitäten mit mehr oder weniger konträren / anderen Realitäten konfrontieren sollte. In den Laboren wollten wir etwas herausfinden über die unterschiedlichen Erfahrungen von Kindern und Jugendlichen in ihren Alltagen in Berlin und den ungarischen Städten. Was beschreiben sie aus ihrer Normalität: Ein Zuhause mit beiden Eltern? Ein eigenes Zimmer? Computerspiele? Arbeitslosigkeit, lange Arbeitszeiten bei wenig Geld oder der Besuch einer privaten Eliteschule? Hamburgerketten und Fitness-Center? Wohnsilos? Gartenzwerge? Berufstätige Eltern? Heterosexualität? Hosen selber nähen, um Geld zu sparen?

Durch die künstlerische Auseinandersetzung mit ganz unterschiedlichen Aspekten von Normalität sollte das Verständnis für parallele Lebenswelten und (Über)lebensstrategien geschärft werden. Daher legten wir großen Wert darauf, dass sich das Angebot an Teilnehmer mit unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft richtete. Ein weiterer Fokus lag auf der Frage nach den Mechanismen durch die ‚Normalität’ konstruiert wird. Welche Normalität wird von den Eltern etabliert? Und welche basteln sich die Jugendlichen selber? Wie steht es um die Ambivalenz zwischen Sehnsucht nach Normalität und dem Ausbruch aus jener?


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