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Theater an der Parkaue
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UNSPEAKABLE

Erfahrungsbericht nach der Akademiewoche

Carlos Manuel

Wir sind von der These ausgegangen, dass die heutige urbane Gesellschaft keine Eingliederungsrituale anbietet. Die Individuen haben zwar Initiationserlebnisse, welche aber in keine Erzählung eingeordnet werden. Frühere oder andere Kulturen bieten einen Einstieg in die Welt der Toten, der Drogeneinnahme, der sexuellen Praktiken, der Geburt usw. – unsere nicht. Wie wäre es, wenn die jugendlichen Teilnehmer des Labors für ihre unsagbaren Erlebnisse ihre eigenen Rituale erfinden? Überwältigende Erlebnisse könnten auf diese Weise in Formen und Rhythmen erfasst, strukturiert und übertragen werden! Um eine Folie für das eigene Ritual zu liefern, wurde jeder Tag der Laborwoche einem Ritual gewidmet: Raummarkierung, Reinigung, Tod, Sexualität, Geburt.

Die Teilnehmer waren sehr verschieden. Einige haben erwartet, eine Theatermethode zu lernen, die sie später zur Rollengestaltung verwenden können. Andere wollten einfach die Reisegelegenheit nutzen und Berlin genießen. Manche hatten Erfahrung mit theatralen Ausdrucksformen, andere hingegen schienen sich in absoluter Unkenntnis der Ausdrucksmöglichkeiten ihres Körpers zu befinden. Die meisten waren am Anfang unsicher hinsichtlich dessen, was von ihnen erwartet wurde bzw. was sie produzieren sollten. Vertrauen und Gruppenbildung mussten als erstes geschaffen werden.

In einem nächsten Schritt hat jeder den Raum erforscht und markiert, sei es mit Zeichen oder Bewegungsabläufen. Die Körperkonturen wurden an die Wände gezeichnet und jeder hat die Geschichte seines Körpers (Wunden, Unfälle, Erinnerungen) darauf gemalt. Aus der eigenen unsagbaren Geschichte wurden Objekte gebaut, mit denen wiederum ein Reinigungsritual vollzogen wurde.

In der Mitte der Woche fanden die kräftigsten Auseinandersetzungen statt. Der Laborprozess wurde von einigen Jugendlichen als Persönlichkeitserfahrung bezeichnet. Andere meinten, es sei kein Theater, sondern Kunst, was wir da gerade machen würden. Es gab viele Diskussionen über Theaterformen sowie über Rituale als einer öffentlichen Form, individuellen / allgemeinen Gefühlen oder Erlebnissen einen Ausdruck zu geben.

Spätestens ab diesem Punkt hatte sich die Gruppe gefestigt und wir haben überraschende, rührende, lustige Momente erlebt und zu einem Ausdruck gebracht. Wir haben Toten ein Festmahl gegeben, verschiedene Abschiede genommen, uns beweint, beschmutzt und ausgelacht, bei einer Gabelgeburt geholfen, eine Jugendbewegung gegründet. Am letzten Tag haben wir alles, was wir an Objekten aufgebaut hatten, hemmungslos und lustvoll zerstört: in einem ekstatischen Rausch!


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