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Theater an der Parkaue
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06.07.2010

Bildung für nachhaltige Entwicklung

UN Dekade
Im Jahr 2002 haben die Vereinten Nationen (UN) für die Jahre 2005 - 2014 die Weltdekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" (BNE) ausgerufen. Die internationale Initiative will dazu beitragen, die Prinzipien nachhaltiger Entwicklung weltweit in den nationalen Bildungssystemen zu verankern. Internationale Lead-Agency der Dekade ist die UNESCO. In Deutschland steht die UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten und wird von einem von der Deutschen UNESCO-Kommission einberufenen Nationalkomitee unter dem Vorsitz des Erziehungswissenschaftlers Prof. Dr. Gerhard de Haan (Freie Universität Berlin) koordiniert. (Quelle: www.bne-portal.de)

Hintergrund der UN-Initiative ist die Kluft zwischen Wissen und Handeln hinsichtlich der gesellschaftlichen Herausforderungen, vor die uns der Klimawandel stellt. Nachhaltig zu handeln, zu konsumieren und zu leben setzt nämlich die Einsicht voraus, dass das eigene Handeln das Leben von Menschen in anderen Weltregionen und das Leben der kommenden Generation beeinflusst.

Um diesen Gedanken im Alltag des Einzelnen zu verankern, suchen die UN nach Konzepten, in denen nachhaltiges Denken und Handeln vermittelt wird. Projekte, die sich diesem Ziel verpflichten, werden von den UN als Dekade-Projekt ausgezeichnet. Grundlage für die Auszeichnung sind die Inhalte und Praktiken, die in den einzelnen Projekten vermittelt werden (siehe auch www.bne-portal.de).

Was hat die WINTERAKADEMIE mit Bildung für nachhaltige Entwicklung zu tun?

Die UN-Initiative zielt auf eine Veränderung im Bewusstsein und Handeln des Einzelnen ab. Erreicht werden kann dies über Projekte, die ganz direkt und didaktisch klug auf den Einzelnen zugehen und versuchen, möglichst plastisch Hintergründe und Zusammenhänge aufzuzeigen und Mittel zur Veränderung an die Hand zu geben. Bedingung hierfür ist, dass die Angesprochenen offen und in der Lage sind zu realisieren, dass es mehrere unterschiedliche Realitäten und Perspektiven auf die uns umgebende Wirklichkeit gibt und dass unsere gesellschaftlich geteilte Realität eine konstruierte ist. BNE setzt voraus, dass Menschen in der Lage sind, gemeinsam an etwas zu arbeiten und dass sie sich im Kollektiv auf Ziele verständigen können, die von übergeordnetem Interesse sind. Die beschriebene Absicht bzw. das Bildungsziel von BNE ist mitunter die verdeckte Seite künstlerischer Arbeitsprozesse, die im Kollektiv stattfinden. Allerdings hängt der Bildungserfolg tatsächlich davon ab, dass hier verdeckt mitläuft, was bei zivilgesellschaftlicher Projektarbeit den Kern bildet. Insofern sind die künstlerischen Labore der WINTERAKADEMIE in dem Maße wertvoll wie sie eben nicht didaktisch oder pädagogisch sind.

Jedes Kind, jeder Jugendliche, jeder Künstler muss sich zu seiner Verantwortung für das gemeinsame Projekt während der Akademiewoche bekennen, eine Haltung entwickeln – die Freiheit hierzu ist verbunden mit der realen Gefahr, dass ein Labor auch scheitern kann. Daraus resultiert jedoch für jeden Beteiligten eine spürbare Verantwortung für das Ganze und dafür, dass am Ende der Akademiewoche etwas präsentiert werden kann, das Ausdruck des Denkens und der Reflexion von Kindern und Jugendlichen ist. In der künstlerischen Zusammenarbeit sprechen wir die Kinder und Jugendlichen nicht als Schüler an, sondern suchen eine Verbindung zu ihnen als eigenständige Persönlichkeiten. Der Rahmen gibt jedem Einzelnen die Möglichkeit und die Aufgabe, sich in einen Arbeitsprozess mit anderen einzubringen und sich auf diese Weise in eine Distanz zu sich selbst zu setzen. Insofern tragen künstlerische Projekte wie die WINTERAKADEMIE dazu bei, dass nachhaltige Verhaltensweisen deshalb angenommen werden, weil sie vernünftig sind. Denn BNE operiert mit aufklärerischem Gestus und ist dementsprechend darauf angewiesen, dass die verhandelten Inhalte über gedankliche Transferleistung den Einzelnen erreichen. Und dies in einem medialen Umfeld, dessen Strategien die nicht-rationalen Energien des Einzelnen affizieren, also das, was Slavoj Žižek den phantasmatischen Kern nennt. Ein Beispiel: Das Radfahren in Berlin wird nicht deshalb immer beliebter, weil es gut für die Umwelt ist. Es wird beliebter, weil es sich mit der Vorstellung eines gesunden, aktiven, jungen und dadurch erfolgreichen Lebens verknüpft und zu einem Lebensgefühl kondensiert. Hierdurch ist es möglich, dass Fahrräder in den Stand von Statussymbolen erhoben werden wie man das bislang von Autos gewohnt war.

Vor diesem Hintergrund leistet die Akademiewoche einen Beitrag dazu, dass Kinder und Jugendliche aus sich heraus eine gesellschaftliche Perspektive entwickeln und für BNE-Strategien überhaupt empfänglich werden. Zudem werden wir uns bei der kommenden WINTERAKADEMIE im Februar 2011 unter dem Titel SAGEN WIR BERLIN LIEGT AM MEER mit den sozialen und kulturellen Folgen des Klimawandels beschäftigen und unter anderem Szenarien für das Jahr 2071 entwerfen. Bereits in der Vorbereitung der WINTERAKADEMIE findet ein Wissenstransfer von Experten aus der Klimaforschung an die Künstler statt, der in die Konzeption der Labore für die Akademiewoche einfließt. Jedem der Labore werden wir eine Prognose für das Jahr 2071 zu Grunde legen mit der sich die Kinder und Jugendlichen in Form von Videoarbeiten, Installationen und Lecture Performances auseinandersetzen: Wie gehen wir, wie geht unsere Gesellschaft mit den Folgen des Wandels um? Welche Entwicklung ist aus welchen Gründen wie wahrscheinlich und was bedeutet sie für den Einzelnen? Wie wird der Alltag der Berliner aussehen, wenn ‚Unter den Linden' Palmen wachsen und in Zagreb nichts mehr auf den Feldern gedeiht? Wenn in tropisch heißen Nächten zwischen den Häuserblocks in Marzahn die asiatische Tigermücke unterwegs ist und das Dengue-Fieber verbreitet? Wenn die großen Blätter der Bananenstauden freundlich von den Balkonen im Prenzlberg winken und wegen der Hitze am Mittag selbst die Shopping-Malls Siesta halten? Ganz gleich wie es kommen wird: Einen Alltag wird es immer geben. SAGEN WIR BERLIN LIEGT AM MEER.


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