Ausgangspunkt für das Labor Büro für Kunstkampf unter Leitung der Istanbuler Videokünstlerin Selda Asal war der Begriff 'struggling' und die Frage: Für was kämpfst du? Während der WINTERAKADEMIE sollten Antworten gesammelt werden, um sie dann in ein Kunstkampfvideo zu übersetzen. Wir stellten aber nicht nur uns diese Frage, sondern auch Menschen draußen auf der Straße. Alle Interviews wurden mit der Kamera festgehalten, um aus ihnen Textmaterial für einen Hip-Hop-Song zu gewinnen. Zu diesem Song sollte dann ein Musikvideo entstehen – das Kunstkampfvideo. Alle Erfahrungen, Assoziationen, gesammelten Antworten und visuellen Eindrücke aus der Stadt wollten wir darin einfließen lassen und auf diese Weise vielfache Übersetzungen vollziehen. Unterstützt wurde die Arbeit von dem Musiker Pebert – ein Experte für Beats und Texterstellung.
Als Einstieg hatte jeder von uns fünf Minuten Zeit, seine 'Kampfziele' den anderen mitzuteilen. Die Antworten wurden sowohl per Video als auch als Mindmap auf einem Wandposter festgehalten und dienten als Erinnerungsmaterial für alle weiteren Recherchen. Nach einer kurzen Einführung in die Kamerahandhabung begann die Recherchephase rund um den S-Bahnhof Warschauer Straße und in einer Eislaufhalle. Die Gruppe führte Interviews mit Passanten und filmte unterschiedliche Motive zum Thema 'sruggling'. Die befragten Passanten, alle unterschiedlichen Alters und mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund, gaben an: Glück und Zufriedenheit für die Familie, aber auch Umweltschutz, Frieden und – vor allem bei den weiblichen Befragten – Emanzipation und selbstbestimmtes Handeln.
Nachdem wir etliches Material gesammelt hatten, ging es darum, das Material zu 'cleanen', d.h. auszuwählen, welche Aussagen und Bilder für das Video wichtig sind, und sie zu bearbeiten. Dabei gab es bei der Materialauswertung spannende Diskussionen, in denen die Teilnehmer über Ziele in ihrem persönlichen Umfeld sprachen.
Das Labor entschied, was als Material brauchbar sein könnte, und alle begannen, Texte zu schreiben. Unter Mitarbeit des Musikers Pebert wurden einzelne Sätze zu einer gemeinsamen Collage verdichtet und mit einem Beat versehen. Selbst für diejenigen, die sich anfangs vehement gegen die Vertonung ihrer Sätze gewehrt hatten, wurde das Einspielen des Sprechgesangs neben den Interviews zum aufregendsten Teil der Woche. Inspiriert von der gemeinsamen Arbeit und der Musik, entwickelten die Teilnehmer eine Lecture für die Präsentation am Abschlusstag. In der Lecture beschrieben sie den Arbeitsprozess und zeigten dann natürlich das Kunstkampfvideo.