Die Woche begann bei uns mit Kennenlernspielen, die für die Gruppenbildung sehr wichtig waren und die von Anfang an auch den Körper aller Beteiligten in das Zusammensein mit einbezogen haben. Im Gegensatz dazu gab es aber auch Diskussionen über abstrakte Themen wie 'das Nichts', 'die Leere' und 'die Zahl Null' sowie 'das Denken' und 'die Beschaffenheit von Gedanken'. Erstaunlich dabei war, dass die Kinder diese Themen selbst aufgeworfen haben und sich schnell ein lebendiges Gespräch darüber entwickelte: "Denkt man in Bildern oder in Worten?"
Bei den ersten Experimenten mit unserem Ausgangsmaterial – hunderte von weißen Schuhschachteln – haben die Kinder ebenso spontan losgelegt und für die Darstellung eines Traumes, eines Wunsches, einer Erinnerung oder einer Idee vielfältige Übersetzungen gefunden. In dieser Phase haben sie erste Gedanken in Modellform materialisiert. In den folgenden Tagen wurden einzelne Elemente dieser 'Denkmodelle' vergrößert, also mit vielen Schachteln in den Raum hineingebaut. Es entstanden auch Verbindungen zwischen den individuellen Ideen und teilweise haben sich kleine Gruppen zusammengefunden, um aus einer Idee eine gemeinsame zu machen.
Ziemlich genau zur Halbzeit der Woche fingen vier Mädchen an, in Eigenregie ein Theaterstück zu schreiben, in dem alle Teilnehmer des Labors vorkommen sollten. Dieser Schritt löste einen gruppendynamischen Prozess aus, der nicht ganz ohne Konflikte und Enttäuschungen verlief, so dass wir in unserer Begleitfunktion doch bei der einen oder anderen Umsetzung ausgleichend eingreifen mussten. Insgesamt aber ging der performative Teil des Labors – also die Präsentation der Skulpturen im Rahmen einer szenischen Umsetzung – sehr stark von den Kindern aus. Überhaupt waren die Eigendynamik des Labors und das eigenständig kreative Arbeiten der Kinder bemerkenswert und bereichernd.
Das 'Schachteltheater', wie die Kinder es selbst nannten, wurde am Tag der öffentlichen Präsentation in dem vom Labor gestalteten Raum zweimal gezeigt. Es gestaltete sich als ein feierliches Eröffnungsritual für die Besucher unserer Laborpräsentation, die dann das gesamte während der Woche gesammelte Bild- und Textmaterial im Raum wahrnehmen konnten. Die Schachtelmodelle platzierten wir für die anderen Teilnehmer der Akademie und für die Besucher des Präsentationstags in der Wunderkammer, welche für unser Labor von außerordentlichem Gewinn war – als Ort der Inspiration, des Austauschs mit anderen Laboren und als angenehmer Treffpunkt in den Pausen.