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Theater an der Parkaue
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PUMA-LASSI UND MANGO-SCHUHE

Laborbericht nach Ende der Akademiewoche

Drunter, drüber und darüber hinaus

Die Sache mit den Erwartungen ist die, dass sie manchmal nicht erfüllt werden. Gleichzeitig gibt es aber auch keinen Grund enttäuscht zu sein – vielmehr sind unerwartete Ergebnisse vielleicht ein größeres (Überraschungs-)Geschenk und für alle Beteiligten im Nachhinein sehr viel befriedigender, interessanter und (um es ganz platt zu sagen) unerwartet schöner. So lässt sich wahrscheinlich auch das Ergebnis der Arbeit mit den Kindern in Labor 2 beschreiben.

Anvisiert war ein Alltags-Kleider-Rollenspiel mit Papierkleidern, von den Kindern entworfen, auf die Bühne zu bringen. Ein Spiel, das die Kinder in Anziehpuppen verwandeln und sie in verschiedene (ethnische) kulturelle Klischees und Normen schlüpfen lassen sollte. Auf der Bühne hätte dann nicht nur der prosaische Bruch zwischen den Normen stattgefunden, sondern auch zwischen den bildnerischen Dimensionen. Der Bruch hat auf jeden Fall stattgefunden: der zwischen den Dimensionen. Der Bruch mit den Normen hat auch stattgefunden, aber eben anders als geplant und erwartet. Ein Bruch mit Klischees, der sich nicht auf unterschiedliche Lebensweisen, im Sinn von ethnischer Herkunft und der Diskussion von rassistischen Ausschlussmechanismen beruhte, sondern vielmehr auf Normerwartungen an (Pop-)Idole, Genderbilder und materielle Wunschvorstellungen. Die Kinder schlüpften so, selbstgewählt, in die Rollen von Popstars (wie Monrose oder Lafee), dem anderen Geschlecht (so entwarfen Jungen Röcke, Badeanzüge und BHs) und ihre Wunschkleider/-accessoires (bestickte Blumenkleider mit Traumlandschaften, MP3 Player oder Gangsta Rapper Outfits). Für acht/neun Jährige ist die Norm eben nicht das „Andere“ – wie es in einem kulturwissesnchaftlichen Diskurs gedacht wird (zum Beispiel von Donna Haraway und Homi Bhabha) – ein multi-ethnisches Anderes, sondern viel eher ein sexuell Anderes. Der/das Andere finden Projektionsflächen im anderen Geschlecht (und hier auch noch in der anderen materiellen Klasse – letztere war aber eher weniger stark in den Arbeiten der Kinder vertreten als das andere Geschlecht). Auch stießen wir am Anfang des Labors auf ganz konkrete Schwierigkeiten den Kindern bestimmte Inhalte zu vermitteln: zum Beispiel die gegenseitigen rassistischen Ausgrenzmechanismen aufzubrechen. Wir mussten annehmen, dass diese vielleicht verstärkt hätten werden können, wenn wir uns mit dem Thema von kulturellen, ethnischbedingten Normen im Alltag, auseinandergesetzt hätten und entschieden uns dann relativ schnell um uns auf die von den Kindern wahrgenommenen Normen im eigenen Alltag einzugehen. Sie mussten jetzt nicht mehr auf den Alltag anderer Kinder in ihrer unmittelbaren Umgebung eingehen, die eventuell einen anderen Alltag leben als sie, sondern beschäftigten sich nur noch ausschließlich mit ihrem imaginierten und gelebten, individuellen Alltag in Form von Kleidung.

Der/das Andere, das Objekt (identitätstragendes/-stiftendes Kleidungsstück) oder die Person in die man sich verwandeln wollte oder dieses eben ablehnte, wurde von den Kindern nicht als normal/abnormal gesehen, sondern vielmehr als „gut“/„cool“ oder „scheiße“. Alles was in dies erste Kategorie fiel war die Norm, alles andere war ausserhalb dieser und damit „behindert“. Norm war aber nicht nur, dass sich die Mädchen in rosa Tüll-„Tütüs“ sahen, sondern vielmehr in Post-1970s Punk Outfits und einige von den Jungen viel Zeit und Konzentration darauf verwendeten BHs, Röcke und Badeanzüge zu entwerfen.

Neben der graphischen und installativen Arbeit zu den Pappkostümen wurde mit den Kindern auch noch der Bühnensound erstellt, in dem sie spielerisch (anhand des Spiels „Ich-packe-meinen-Koffer-und-nehme-mit“) ihre „coolen“ und „behinderten“ Kleidungsstücke einsprachen. Der Sound wurde im Hintergrund der Performance am Ende der Woche, gemeinsam mit einer Videokulisse abgespielt. Die Videokulisse waren projizierte Videosamples welche von den Kindern während des Workshops als Dokumentationsmaterial gesammelt wurden. Das Medienmaterial ergab den Hintergrund zur choreographierten Vorstellung der einzelnen Kleidungsstücke der Kinder. Diese tauschten auf der Bühne im Himmelfoyer ihre Kleider scheinbar beliebig und zogen sich somit immer wieder andere Identitäten und Normvorstellungen über. Bei der Vorbereitung zur Performance gab es hierbei immer wieder Proteste sich die Kleider und somit die Selbstbilder der anderen „anzuziehen“. Die eigentlich intensivste (nicht spielerisch-moderierte) Diskussion zum Thema Norm und Erwartung fand unter den Kindern erst in diesem Moment statt.

Ein weiteres Problem in der Vermittlungsarbeit war, dass einige Kinder der Gruppe aus einem sozialschwachen Umfeld kamen und somit neben der Produktionsarbeit auch eine psycho-pädagogische Betreuung nötig war. Diese nahm zum Teil mehr Platz ein als die eigentliche Arbeit am Projekt; trotz allem waren alle Kinder sehr motiviert und mitarbeitsbereit und die Ergebnisse sehr poetisch.


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